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Im folgenden Abschnitt wollen wir nun die psychotherapeutischen Verfahren näher vorstellen, die derzeit von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Dabei orientieren wir uns an den Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die Durchführung der Psychotherapie (Psychotherapie-Richtlinien) in der Fassung vom 11. Dezember 1998.

In den Psychotherapie-Richtlinien werden seelische Störungsbilder verstanden als Veränderungen der Wahrnehmung, der Erlebnisverarbeitung, des Verhaltens, der sozialen Beziehungen oder der Körperfunktionen, die in ihrer Ausprägung Krankheitswert haben. Es gehört zum Wesen dieser Störungen, dass sie der willentlichen Steuerung durch die PatientInnen nicht mehr oder nur noch zum Teil zugänglich sind. Sie können durch seelische oder auch körperliche Faktoren verursacht werden, wobei den erlebten Veränderungen aktuelle Krisen im seelischen Geschehen, aber auch krankhafte Veränderungen seelischer Strukturen zugrunde liegen können. Psychotherapie als Behandlung seelischer Krankheiten im Sinne dieser Richtlinien setzt voraus, dass das Krankheitsgeschehen als "ein ursächlich bestimmter Prozess" verstanden wird, der mit wissenschaftlich begründeten Methoden untersucht und durch eine entsprechende Krankheitslehre erfasst wird. Die psychotherapeutische Krankheitslehre muss seelische und körperliche Symptome als ganzheitlichen Ausdruck des Krankheitsgeschehens eines Menschen berücksichtigen. Sie muss den gegenwärtigen, lebensgeschichtlichen und gesellschaftlichen Faktoren in ihrer Bedeutung für das Krankheitsgeschehen gerecht werden. Psychotherapie, wie sie in den Psychotherapie-Richtlinien beschrieben ist, wendet klar umschriebene Methoden an, die die problematischen Erlebens- und Verhaltensweisen systematisch verändern und die Fähigkeiten der PatientInnen zur Konfliktbewältigung verbessern. Im psychotherapeutischen Prozess kommt (unabhängig von der Wahl des Therapieverfahrens) der systematischen Berücksichtigung und der fortlaufenden Gestaltung der TherapeutIn-PatientIn-Beziehung eine zentrale Bedeutung zu. Psychotherapie setzt eine lebensgeschichtlich orientierte Psychodiagnostik voraus, welche die jeweiligen Krankheitserscheinungen erklärt und zuordnet. Die Therapiemethode muss dann in einem angemessenen Verhältnis zu Art und Umfang der diagnostizierten Erkrankung stehen. Psychotherapeutische Verfahren, die die genannten Erfordernisse nicht erfüllen, fallen nicht unter den Begriff der Richtlinien-Psychotherapie. Deshalb gehen wir auch nicht weiter auf die unterschiedlichen Psychotherapieformen wie z.B. Gesprächspsychotherapie, Transaktionsanalyse, Logotherapie, Bioenergetik, NLP, Gestalttherapie o.ä. ein, die nicht von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Diese psychotherapeutischen Ansätze haben ganz gewiss ihren Stellenwert. Die wissenschaftliche Anerkennung der verschiedenen Ansätze ist aber ein langsamer Prozess der Wirksamkeitsbewertung, der immer in Bewegung bleibt. Es kann also im Laufe der Jahre in der Richtlinien-Psychotherapie durchaus noch Veränderungen geben.