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Die Richtlinien-Psychotherapie umfasst derzeit drei psychotherapeutische Verfahren, denen jeweils eine umfassende Theorie zur Krankheitsentstehung zugrunde liegt und deren spezifische Behandlungsmethoden in ihrer Wirksamkeit für Einzel- und Gruppenpsychotherapie belegt sind:

  1. psychoanalytische Psychotherapie
  2. tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  3. sowie Verhaltenstherapie.

Zwischen den ersten beiden genannten Behandlungsformen besteht insofern ein Verwandtschaftsverhältnis als die tiefenpsychologisch fundierte Therapie aus der psychoanalytischen Tradition hervorgegangen ist. Gemeinsam ist diesen beiden Therapieformen, dass sie "hinter" der Symptomatik eine unbewusste Motivationen annehmen, die selbst nicht sichtbar ist, aber im Symptom eben zur Darstellung gelangen. In der Tradition der Verhaltenstherapie wird das Symptom dagegen als Ergebnis von Lernprozessen angesehen, die dann im therapeutischen Prozess verändert werden. Ihren Schwerpunkt setzen also die ersten beiden, die sogenannten "psychodynamischen" Verfahren in erster Linie auf Einsicht, während sich die Verhaltenstherapie im wesentlichen auf (Um-)Lernen gründet.


A. Psychoanalytisch begründete Verfahren

Gemeinsam ist allen psychodynamischen Verfahren ihre lebensgeschichtliche Orientierung. Behandelt wird die dem Patienten noch nicht bekante, sondern ihm unverständlich und fremd erscheinende Dynamik seiner neurotischen Störung, die als psychische und/oder somatische Erkrankung erkennbar geworden ist. Das Symptom wird in dieser Perspektive als ein Aus-gleichsversuch einander widerstrebender Impulse oder Neigungen verstanden, also als ein Versuch, einen inneren Konflikt zu bewältigen. Die Symptomatik erfüllt dabei eine doppelte Aufgabe: in ihr ist der innere Konflikt aufgehoben, d.h. zugleich verhüllt und auch sichtbar gemacht.

1. Analytische Psychotherapie
Nach Sigmund Freud ist die Psychoanalyse der Name eines Verfahrens zur Untersuchung seelischer Vorgänge, eine Behandlungsmethode neurotischer Störungen und eine neue wis-senschaftliche Disziplin (Freud 1923). Die analytische Psychotherapie ist eine Anwendungsform der Psychoanalyse. Allerdings wird ihre Anwendung dadurch bestimmt, dass sie ausschließlich in der Behandlung von Krankheiten ihre Anwendung findet. Die analytische Psychotherapie erfordert die Einschätzung und analytische Aufschlüsselung des verdrängten, also unbewussten Konfliktes, die Nutzung und Deutung des Übertragungs- und Gegenübertragungsgeschehens, die Deutung und verstehende Begleitung regressiver Prozesse, die analytische Bearbeitung von Widerstandsphänomenen und die verändernde Einflussnahme auf strukturelle Gegebenheiten des Patienten. Die analytische Psychotherapie umfasst Therapieformen, die zusammen mit der neurotischen Symptomatik den neurotischen Konfliktstoff und die zugrundeliegende neurotische Struktur der Patienten behandeln.

Begriffe zur analytische Psychotherapie: Widerstand, Regression, Übertragung, Gegenübertragung, Durcharbeitung.

Die Psychoanalyse ist eine Konflikttheorie, die von einander widerstreitenden Kräften in der Persönlichkeit ausgeht. Das Ziel ihrer Behandlungsmethode besteht darin, dem Patienten bei seiner Suche nach seiner persönlichen Kontinuität, sowie bei der Aneignung seiner eigenen und ihm doch selbst unbewussten Lebensgeschichte zu helfen und ihn die Fakten des Lebens anerkennen zu helfen.

Die Psychoanalyse bietet eine Methode an, seine unbewussten Motive selbst zu erforschen und dabei deren Existenz anzuerkennen sowie abgespaltene und abgewiesene Teile seines Selbst zu integrieren. Auf diese Weise kann der Mensch seine als Fremdbestimmung erlebte Symptomatik, z.B. seine Hemmungen, seine Arbeitsstörungen oder auch seine Selbstbestrafungstendenzen oder auch schwere Depressionen im Gesamt seines Lebensgefüges verstehen, annehmen und darin verändern lernen. Insofern geht es der Psychoanalyse um eine Befreiung von verinnerlichten Fremdbestimmungen, die Ursache für psychische Störungen und damit verbundene Symptome sind.

2. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie wird definiert als "Verfahren, bei denen die unbewusst wirkende Dynamik aktuell wirksamer neurotischer Konflikte unter Beachtung von Übertragung, Gegenübertragung und Widerstand behandelt werden. Eine Konzentration des therapeutischen Prozesses wird durch eine Begrenzung des Behandlungszieles, durch vorwiegend konfliktzentriertes Vorgehen und durch Einschränkung regressiver Prozesse angestrebt".

Als Sonderformen der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie können folgende Behandlungsmethoden zur Anwendung kommen:

  • Kurztherapie
  • Fokaltherapie
  • Dynamische Psychotherapie
  • niederfrequente Therapie in einer längerfristig, Halt gewährenden psychotherapeutischen Beziehung.

 

B. Lerntheoretisch und sozialpsychologisch begründete Verfahren

3. Die Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie als Krankenbehandlung umfasst Therapieverfahren, die vorwiegend auf der Basis der Lern- und Sozialpsychologie entwickelt worden sind.

Unter den Begriff "Verhalten" fallen dabei beobachtbare Verhaltensweisen, aber auch

  • kognitive,
  • emotionale,
  • motivationale
  • und physiologische

Vorgänge.

Verhaltenstherapie im Sinne dieser Richtlinien erfordert das Verstehen

  • der auslösenden
  • und aufrechterhaltenden Bedingungen

des Krankheitsgeschehens (Verhaltensanalyse).

Die Verhaltenstherapie entwickelt ein entsprechendes Störungsmodell und eine übergeordnete Behandlungsstrategie, aus der heraus die Anwendung spezieller Methoden abgeleitet werden kann, um die festgelegten Behandlungsziele zu erreichen.